Dein Wille geschehe..

Noch sind wir nicht durch…noch ist nicht die Zeit für freudige Ostergrüße und für süße, kleine Bilder von Küken und Eiern…noch sind wir in der Zeit zwischen den Zeiten, in der Warten, Atemholen und Vertrauen vorherrschend sein dürfen.  Denn noch herrschen die Energien des Ausatmens, des Abstieges in die dreitägige Stille und des Rückzuges. 

Vergiss nicht, welches Mysterium sich in diesen Tagen ereignet hat und jedes Jahr aufs Neue ereignet. Vergiss nie die Bedeutung dieses Ereignisses, in dem ein Mensch sich in aller Demut vor dem Alleinen verbeugte und sein Ego hintenan stellte. „Nicht mein, sonder Dein Wille geschehe!“ waren die Worte, die eine unglaubliche Tragweite in sich verbergen für diejenigen, die tiefer sehen wollen.

Dieses Mysterium geht für mich weit über den katholischen Glauben hinaus, gab es den Abstieg in die Unterwelt und die dreitägige Dunkelheit doch schon sehr viel früher in der Menschheitsgeschichte. Ich möchte mich weder im Kult um die Göttin Ostara noch in dem des Christentums verlieren, möchte weder die westliche noch östliche Götterwelt heranziehen noch mit dem Finger auf jene zeigen, die von alledem gar nichts halten. Denn wer, was, in welcher Form glaubt, ist letztendlich völlig egal. 

Tatsache ist, dass wir alle auf einer Erde leben, alle dieselbe Luft atmen und alle über den Raum und die Energien, die uns durchdringen, verbunden sind. Daher ist dieses Ereignis des Rückzuges, der Stille und des Atemholens ein Globales,. Ob du willst oder nicht, diese Zeit macht etwas mit dir – sie berührt dich, sie durchflutet dich und jede deiner Zellen, sie läßt dich manchmal schwindlig und traurig, manchmal berührt und freudig zurück. 

Nütze diese Zeit, um in deine ganz persönliche Unterwelt zu tauchen und dich deinen Ängsten zu stellen. Nütze diese Zeit, um dich endlich wieder mit dir selber zu beschäftigen und dir sanft und beruhigend zuzuflüstern: „Alles ist gut. Der Weg durch das tiefe Tal hat bald ein Ende. Ich sehe das Licht am Ende des Tunnels schon!“ 

Noch sind wir nicht durch…und das ist gut so, denn die Dunkelheit und Stille sind große Geschenke für die, die wachsen wollen und die sich in ihrer Bedürftigkeit und Zartheit in Liebe annehmen möchten.

Dann wird es Ostern in dir und mir, dann wird es hell in unserer Seele und wir dürfen voll Freude und Hoffnung an eine Auferstehung glauben.

Ich wünsche dir ein schönes Osterfest, liebe Leserin, lieber Leser!

Deine susanne2punkt0 – die Seelenbaumlerin

„Ihr fehlt mir!“

Das ist, in einem Satz zusammengefasst, die Botschaft, die eine liebe Freundin heute digital in die Runde schrieb. Wenn ich in diese kurze Aussage hineinfühle, kann ich ihr nur zustimmen.

Mir geht es genau so. 

Seit Wochen sitze ich in verordneter Isolation, ist mein soziales Leben nicht existent, habe ich fast keinen zwischenmenschlichen Kontakt und kann auch den Nebel und die Kälte draußen kaum mehr ertragen.

Kommt mir bitte nicht mit den notwendigen Maßnahmen und dass alles gerechtfertigt ist – das hinterfrage ich nicht, darum geht es hier auch gar nicht.

Ich möchte hier nur auf die feinen, leisen Zwischentöne aufmerksam machen, die sich schön langsam bei vielen Menschen in meiner Umgebung bemerkbar machen und die sich immer drängender und sehnsüchtiger ihren Weg ins Leben suchen. 

Es ist die Sehnsucht nach Nähe, nach Wärme, nach Gemeinschaft – nach diesen zarten, leisen, oft flüchtigen Ereignissen im Austausch mit Menschen, die man mag. 

Da wäre die mitfühlende Umarmung einer Freundin, die dich auffängt und versteht…da gäbe es das gemeinsame Lachen und sich in die Augen-Schauen am gemeinsamen Essenstisch…da wäre das Köpfe-Zusammenstecken und sich Geheimnisse zuflüstern…da wäre das verbindende Pläneschmieden in Netzwerktreffen vor Ort…und, und, und…alles Ereignisse, denen wir bis vor kurzem keinen überaus wichtigen Stellenwert in unserem Leben zugemessen hätten. Schließlich ist es doch ganz normal, Menschen zu treffen, sich auszutauschen, gemeinsam mit allen Sinnen in Interaktion zu gehen oder?

Nun, das ist es eben leider nicht…es ist nicht mehr ganz normal!

Jetzt, ein paar Monate später wüssten wir plötzlich einen persönlichen Händedruck zu schätzen, eine flüchtige Umarmung bei der Begrüßung, ein sich Zuprosten und sich in die Augen zu schauen. Ganz zu schweigen von den vielen unausgesprochenen Botschaften, die wir in einer persönlichen Begegnung geschenkt bekommen…den Duft eines Parfums…den tiefen, verstehenden Blick in deine Augen…die warme Hand des Gegenübers in der deinen…die ureigene Energie, die jeder Mensch ausstrahlt…seine Aura, in der ungesagt doch schon so vieles erfühl- und erahnbar ist…

All diese Banalitäten sind nun sehr kostbar und rar geworden. Langsam wird uns klar, dass sie uns fehlen und dass es mit dem Zugrabetragen dieser subtilen Geschenke auch in uns spürbar leerer wird. Darüber helfen uns auch nicht die vielen Zoom-Calls und anderer digitaler Austausch hinweg, denn kein emotionsloser Computer kann eine persönliche, menschlich liebevolle Interaktion je ersetzen.

So bleibt mir heute nicht mehr zu sagen als:

„Liebe Freundinnen, liebe Freunde – ihr fehlt mir!“

Dankbarkeit

Was für eine interessante, herausfordernde, kuschelige, dunkle Jahreszeit! All´ das und noch viele Begriffe mehr drängen sich mir auf, wenn ich an diesen November denke. An einen November, der in seiner Ausprägung in jeder Form extremer ist als der vergangener Jahre. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Monat alles, was du schon sehr, sehr lange in dir trägst, mit aller Macht ans Dämmerlicht kommen möchte, sich zeigen möchte, gesehen werden will um endlich – endlich! – umarmt und anerkannt zu werden. 

Wir Menschen sind Meister im Verdrängen. Wenn es um die Schattenanteile in uns geht und darum, sich den Ängsten, Traumata, den lange in den letzten Winkel unseres Unterbewusstseins gekehrten, verleugneten Anteilen zu stellen. 

Wenn wir ehrlich sind, wüssten wir genau, welche noch unerledigten Aufgaben es in diesem Keller zu bearbeiten gibt, welchen bösen Geistern wir endlich die Stirn bieten und sie sachte, aber endgültig ans Licht bringen dürften und welche ungeheilten Verletzungen wir nun in Liebe gehen lassen sollten. Doch leider kam bis jetzt immer etwas dazwischen. Dinge von großer Tragweite, wie Aufräumen, Putzen, Kuchen backen, Sport machen und seinen Hobbys nachgehen. 

Bis jetzt war immer etwas wichtiger, als sich mit seinen uralten Ängsten und Mustern auseinanderzusetzen, denn das ist anstrengend, voll uncool, macht wütend und traurig…und wer möchte sich schon freiwillig solchen unliebsamen Emotionen aussetzen? 

Das ist verständlich – es gibt nicht viele, die  von sich aus, ohne Notwendigkeit, mit Forschergeist und Freude in ihre Untiefen abtauchen. 

In diesem November aber, da ist es möglich, ja, da werden wir nahezu dazu gezwungen, hinzuhören auf die feinen Zwischentöne in unserem Herzen. Die Umstände lassen uns keine Wahl, denn es wird enger, die Luft zum Atmen wird gefühlt mit jedem Herzschlag weniger, die Wände rücken näher an uns heran und nehmen uns den Raum, den wir so dringend benötigen. 

Jeder will etwas von uns, jedem sollen wir gerecht werden, an hundert Stellen gleichzeitig zu hundert Prozent funktionieren. 

In diesem Monat kommen viele nun endgültig an ihre Grenzen, die durch die Kälte und Dunkelheit ohnehin schon sehr, sehr dünn sind und schon seit langer Zeit von jedem überschritten wurden. 

Du wirst dich fragen, wieso ich diesen Artikel dann trotzdem „Dankbarkeit“ nenne. Das will ich dir gerne sagen. Weil ich, trotz oder gerade wegen all dieser Herausforderungen diese Zeit annehme, ja, willkommen heiße. Als Turbo, als Initialzündung, als großartiges Geschenk für all die Seelen, die jetzt die Möglichkeit haben, sich zu entwicklen. Ent-wickeln, das heisst, sich aus den Verstrickungen der Gewohnheiten, der Muster, der Schatten heraus zu entwickeln, hinein in neue Bewusstseinsstufen, in neue Erkenntnisse, in neue Möglichkeiten. 

Neue Möglichkeiten, sich selber und seine Umgebung wahrzunehmen, neue Möglichkeiten, Altes endlich für immer abzuschließen, neue Möglichkeiten, sich wieder zu gestatten zu fühlen und zu leben – fernab von Konsum und Ablenkung.

Was für eine fantastische Zeit, um einen Ent-Wicklungssprung zu machen, wenn du es schaffst, dem November-Blues zu entkommen und einzutauchen in eine Welt, die unglaublich spannend ist: in deine Innenwelt.

Daher nehme ich diesen Monat mit ganzem Herzen an und danke ihm für seine Geschenke…denn ich bin jemand, die es immer schon geliebt hat, sich mit sich selber und ihren (Un)tiefen auseinanderzusetzen.

Ich wünsche dir ganz viel Mut und Kraft für deine persönliche Entwicklungsreise!

Deine susanne2punkt0-die Seelenbaumlerin