„Ihr fehlt mir!“

Das ist, in einem Satz zusammengefasst, die Botschaft, die eine liebe Freundin heute digital in die Runde schrieb. Wenn ich in diese kurze Aussage hineinfühle, kann ich ihr nur zustimmen.

Mir geht es genau so. 

Seit Wochen sitze ich in verordneter Isolation, ist mein soziales Leben nicht existent, habe ich fast keinen zwischenmenschlichen Kontakt und kann auch den Nebel und die Kälte draußen kaum mehr ertragen.

Kommt mir bitte nicht mit den notwendigen Maßnahmen und dass alles gerechtfertigt ist – das hinterfrage ich nicht, darum geht es hier auch gar nicht.

Ich möchte hier nur auf die feinen, leisen Zwischentöne aufmerksam machen, die sich schön langsam bei vielen Menschen in meiner Umgebung bemerkbar machen und die sich immer drängender und sehnsüchtiger ihren Weg ins Leben suchen. 

Es ist die Sehnsucht nach Nähe, nach Wärme, nach Gemeinschaft – nach diesen zarten, leisen, oft flüchtigen Ereignissen im Austausch mit Menschen, die man mag. 

Da wäre die mitfühlende Umarmung einer Freundin, die dich auffängt und versteht…da gäbe es das gemeinsame Lachen und sich in die Augen-Schauen am gemeinsamen Essenstisch…da wäre das Köpfe-Zusammenstecken und sich Geheimnisse zuflüstern…da wäre das verbindende Pläneschmieden in Netzwerktreffen vor Ort…und, und, und…alles Ereignisse, denen wir bis vor kurzem keinen überaus wichtigen Stellenwert in unserem Leben zugemessen hätten. Schließlich ist es doch ganz normal, Menschen zu treffen, sich auszutauschen, gemeinsam mit allen Sinnen in Interaktion zu gehen oder?

Nun, das ist es eben leider nicht…es ist nicht mehr ganz normal!

Jetzt, ein paar Monate später wüssten wir plötzlich einen persönlichen Händedruck zu schätzen, eine flüchtige Umarmung bei der Begrüßung, ein sich Zuprosten und sich in die Augen zu schauen. Ganz zu schweigen von den vielen unausgesprochenen Botschaften, die wir in einer persönlichen Begegnung geschenkt bekommen…den Duft eines Parfums…den tiefen, verstehenden Blick in deine Augen…die warme Hand des Gegenübers in der deinen…die ureigene Energie, die jeder Mensch ausstrahlt…seine Aura, in der ungesagt doch schon so vieles erfühl- und erahnbar ist…

All diese Banalitäten sind nun sehr kostbar und rar geworden. Langsam wird uns klar, dass sie uns fehlen und dass es mit dem Zugrabetragen dieser subtilen Geschenke auch in uns spürbar leerer wird. Darüber helfen uns auch nicht die vielen Zoom-Calls und anderer digitaler Austausch hinweg, denn kein emotionsloser Computer kann eine persönliche, menschlich liebevolle Interaktion je ersetzen.

So bleibt mir heute nicht mehr zu sagen als:

„Liebe Freundinnen, liebe Freunde – ihr fehlt mir!“

Dankbarkeit

Was für eine interessante, herausfordernde, kuschelige, dunkle Jahreszeit! All´ das und noch viele Begriffe mehr drängen sich mir auf, wenn ich an diesen November denke. An einen November, der in seiner Ausprägung in jeder Form extremer ist als der vergangener Jahre. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Monat alles, was du schon sehr, sehr lange in dir trägst, mit aller Macht ans Dämmerlicht kommen möchte, sich zeigen möchte, gesehen werden will um endlich – endlich! – umarmt und anerkannt zu werden. 

Wir Menschen sind Meister im Verdrängen. Wenn es um die Schattenanteile in uns geht und darum, sich den Ängsten, Traumata, den lange in den letzten Winkel unseres Unterbewusstseins gekehrten, verleugneten Anteilen zu stellen. 

Wenn wir ehrlich sind, wüssten wir genau, welche noch unerledigten Aufgaben es in diesem Keller zu bearbeiten gibt, welchen bösen Geistern wir endlich die Stirn bieten und sie sachte, aber endgültig ans Licht bringen dürften und welche ungeheilten Verletzungen wir nun in Liebe gehen lassen sollten. Doch leider kam bis jetzt immer etwas dazwischen. Dinge von großer Tragweite, wie Aufräumen, Putzen, Kuchen backen, Sport machen und seinen Hobbys nachgehen. 

Bis jetzt war immer etwas wichtiger, als sich mit seinen uralten Ängsten und Mustern auseinanderzusetzen, denn das ist anstrengend, voll uncool, macht wütend und traurig…und wer möchte sich schon freiwillig solchen unliebsamen Emotionen aussetzen? 

Das ist verständlich – es gibt nicht viele, die  von sich aus, ohne Notwendigkeit, mit Forschergeist und Freude in ihre Untiefen abtauchen. 

In diesem November aber, da ist es möglich, ja, da werden wir nahezu dazu gezwungen, hinzuhören auf die feinen Zwischentöne in unserem Herzen. Die Umstände lassen uns keine Wahl, denn es wird enger, die Luft zum Atmen wird gefühlt mit jedem Herzschlag weniger, die Wände rücken näher an uns heran und nehmen uns den Raum, den wir so dringend benötigen. 

Jeder will etwas von uns, jedem sollen wir gerecht werden, an hundert Stellen gleichzeitig zu hundert Prozent funktionieren. 

In diesem Monat kommen viele nun endgültig an ihre Grenzen, die durch die Kälte und Dunkelheit ohnehin schon sehr, sehr dünn sind und schon seit langer Zeit von jedem überschritten wurden. 

Du wirst dich fragen, wieso ich diesen Artikel dann trotzdem „Dankbarkeit“ nenne. Das will ich dir gerne sagen. Weil ich, trotz oder gerade wegen all dieser Herausforderungen diese Zeit annehme, ja, willkommen heiße. Als Turbo, als Initialzündung, als großartiges Geschenk für all die Seelen, die jetzt die Möglichkeit haben, sich zu entwicklen. Ent-wickeln, das heisst, sich aus den Verstrickungen der Gewohnheiten, der Muster, der Schatten heraus zu entwickeln, hinein in neue Bewusstseinsstufen, in neue Erkenntnisse, in neue Möglichkeiten. 

Neue Möglichkeiten, sich selber und seine Umgebung wahrzunehmen, neue Möglichkeiten, Altes endlich für immer abzuschließen, neue Möglichkeiten, sich wieder zu gestatten zu fühlen und zu leben – fernab von Konsum und Ablenkung.

Was für eine fantastische Zeit, um einen Ent-Wicklungssprung zu machen, wenn du es schaffst, dem November-Blues zu entkommen und einzutauchen in eine Welt, die unglaublich spannend ist: in deine Innenwelt.

Daher nehme ich diesen Monat mit ganzem Herzen an und danke ihm für seine Geschenke…denn ich bin jemand, die es immer schon geliebt hat, sich mit sich selber und ihren (Un)tiefen auseinanderzusetzen.

Ich wünsche dir ganz viel Mut und Kraft für deine persönliche Entwicklungsreise!

Deine susanne2punkt0-die Seelenbaumlerin